Sonntag, 23. Januar 2011

Bruchtal - Nacht

Geliebte Heimat,

Heute schreibe ich euch Zeilen voller Freude und Zufriedenheit. Einiges ist geschehen seit den letzten Worten, die mein Herz an eure Herzen entsendete. Doch bevor ich beginne möchte ich Euch meinen Dank aussprechen für die wundervollen Zeilen von euch. Sie haben mir Kraft gegeben. Kraft und Gewissheit das Richtige zu tun.

Ein Mann in den Einsamen Landen, dessen Name Radagast lautet vereinnahmte uns sehr. Mit uns beschreibe ich Aliasa und mich. Er entsendete uns in Gegenden, die eines Lebenden nicht geeignet scheinen. Deswegen schleichen die Toten dort umher. Ihr könnt Euch vorstellen, dass mein Zorn über diesen sturen und alten Mann mit jedem Schritt wuchs. Zudem lehnte er sich die meiste seiner wenigen ihm verbleibenen Zeit in seinem Turm zurück. 
Wie dem auch sei, diesen Menschen kann man fürwahr als schlechtes Beispiel des menschlichen Sein bezeichnen. 
Doch ich lernte einen jungen Elb kennen, der mich sehr an Tirbarion erinnerte. Jung und offen, frei und unerfahren. Welch nette Begegnung in dieser fürchterlichen Umgebung. Diese begegnung trug meine Gedanken zu Dir geliebter Bruder und erfüllte mein Sein mit Wärme und tiefer Liebe zu Dir. Dies möchte ich Dir nun auch senden und ich freue mich sehr, wenn wir uns wieder in die Arme schließen können. 

Nach der Zeit in den Einsamen Landen war ich erfreut und glücklich, als sich herausstellte, dass es dort nichts Neues mehr zu erkunden galt. Der Weg, welcher der meine und Aliasas nun sein wird, wird uns in die Nordhöhen führen. So sehe ich Euren verwunderten Gesichtsausdruck beinahe vor mir, dass diese Zeilen euch aus Bruchtal erreichen. Liegt dies doch in der anderen Richtung und nicht auf dem Weg.

Doch mein Herz sehnte sich so sehr nach etwas vertrautem und ich wollte in Erfahrung bringen, ob ich meinen alten und lieben Freund Garodiel wohl dort antreffen würde. Machte er sich doch vor so langer Zeit auf, um die Bibliothek des Fürsten Elrond besuchen.  Ich kann mich noch so sehr an seine Vorfreude erinnern als er aufbrach. Leider traf ich ihn  nicht mehr in Bruchtal an. Doch ich erfuhr, dass er seinen Weg schon vor einiger Zeit antrat, um gen Westen zu segeln. So dürfte er euch sicher vor meinen Zeilen schon erreicht haben. Ich möchte ihm einige Zeilen schenken, die nur an ihn gerichtet sind, sollte er noch keines der Schiffe genommen haben.

Ach Garondiel, nun hätten wir beinahe noch die Möglichkeit gehabt unser wiedersehen und den großen Abschied miteinander zu teilen. Doch es scheint, als sei dies nicht unser Schicksal und ich hoffe Du bist gut angekommen. Den Weg, den Du zurück nahmst bin ich erst gekommen und ich weiß um die Gefahren, die sich in den Landen ausbreiten. Sicher ist dies kein Vergleich zu Deiner Hinreise nach Bruchtal. Diese Zeiten waren weniger gefährlich. 
Ich hoffe Du konntest all das lesen und lernen, wonach Dein Herz gedürstet hat. Habe eine gute Reise in den Westen. 

Während ich diese Zeilen schreibe kann ich den Blick über Bruchtal schweifen lassen. Der Mond und die Sterne lassen das Wasser glitzern. Es ist friedlich. So eine innere Ruhe erlebte ich so lange Zeit nicht mehr. Seitdem ich Aufbrach. Eine lange Zeit, wo die Wachsamkeit und die ständige Bereitschaft mein Leben zu verteidigen meine Begleiter wurden. Doch nun scheint es, als hätte ich es wenigstens für meinen Aufenthalt in Bruchtal meine Unbeschwertheit wieder zurück gewonnen. Das war etwas, nachdem ich sehr verlangte und was ich schmerzhaft vermisste. 
Ihr seht, dass mein Herz wieder leichter ist. 

Wie lange wir hier verweilen werden ist noch unbestimmt, denn Aliasa wirkt mehr wie beeindruckt von der Bibliothek und ich denke, dass ihr die Zeit in den Einsamen Landen ebenfalls sehr zugesetzt hat. So hat auch sie die Möglichkeit sich hier zu erholen. Ihre Augen trugen schon tiefe Ringe, da an Schlaf selbst in den bewachten Mauern der Feste Guruth nicht zu denken war. Der Wind trugt die bedrohlichen Geräusche der Toten in die Feste und die Mauern warfen sie bedrohlich vor und zurück. 

Doch nun genießen wir erst einmal die Ruhe und füllen die Herzen mit Frieden bevor wir wieder aufbrechen. 

Nun schließe ich diesen Brief und werde etwas tun, was ich schon lange nicht mehr tat. Ich werde mich in die schützenden Arme der Wälder begeben und einfach nur da sitzen. Sitzen und beobachten. Ohne Angst, dass Orks oder schlimmeres mir nach dem Leben trachten werden.

In tiefer Verbundenheit
Damaria

Freitag, 21. Januar 2011

Lindon - Mittag

Geliebte Tochter, Schwester und Freundin,

Welch Freude Deine Worte zu lesen. Sogleich versorgten wir Zazul, der sich sehr ausruhen musste nach dieser langen Reise.

Deine Worte haben uns sehr bewegt und wir hoffen, dass Du nie vergisst, dass Du nicht alleine bist. Wir sind immer bei Dir. In Gedanken und mit dem Herzen. So wie Du bei uns bist. Vergiss das nie. 

Das was Du berichtest klingt erschreckend und wir hoffen, dass Du die Sonne dennoch manchmal spürst. Nicht auf der Haut, das ist nicht nötig. Doch im Herzen sollte sie ab und an in Dir strahlen und Dir Wärme schenken.

Du schriebst, dass Du die Bekanntschaft von einer Menschenfrau gemacht hast und es entlockte uns ein leichtes Lächeln. Wir konnten Dich förmlich vor uns sehen, wie Du versuchst mit ihr ein Gespräch zu führen. Doch halte Dir immer vor Augen, dass manche Deiner Worte sie nicht erreichen können. 

Die Beschreibung, die Du uns von anderen Elben hast zukommen lassen, erschrecken uns sehr. Deine Angst jedoch ist unbegründet, sei dessen bewusst. Wir hätten Dich niemals ruhigen Gewissens gehen lassen können, wenn wir Sorge um Dich im Herzen getragen hätten. Sei Dir Deiner Stärke bewusst, wir wissen um sie.

Das Du den Weg in eine Gemeinschaft gewählt hast wundert und überrascht uns zugleich. Warst Du doch selbst bei uns gerne für Dich. Doch Deine Wachsamkeit wird Dir den richtigen Weg gewiesen haben. Doch wisse, dass auch in den Reihen einer Gemeinschaft Zwist und Streit aufkommen können. Besonders in den Reihen der Menschen ist das nicht unüblich. Wir sind sicher, dass Du Achtsam sein wirst, bei jedem Deiner Schritte.

Deine Frage nach Tirbarion hat ihn sehr gefreut, denn er vermisst Deine Worte und Deine ausstrahlende Ruhe wohl am meisten. Deine Zeilen nahmen ihm die Zweifel und er wird mit Zuversicht seinem Weg folgen.

Die ersten sind dabei gen Westen aufzubrechen. Doch sei gewiss, dass Deine Zeilen hier immer jemanden erreichen werden.

Wenn Zazul geruht hat werden wir ihn wieder zu Dir senden und der Gedanke an Deine Freude ihn am Himmel zu erblicken wird sicher unsere Herzen erreichen.

Eine herzliche Umarmung von uns allen und besonders von Deiner Mutter, Deinem Vater und Deinem Bruder

Montag, 17. Januar 2011

Einsame Lande - Abend

Geliebte Heimat,

Es ist schon einiges an Zeit verstrichen, seitdem ich Zazul das letzte mal zu euch schickte. Einige Tage versuche ich schon zu sortieren, was mein Herz zu mir spricht, doch die Trauer und die Sehnsucht nach der Geborgenheit und dem Wunsch wieder euren Armen und nicht nur in euren Herzen zu liegen trübt meine Seele.

Singe ich doch häufig die Lieder unseres Landes, dennoch vermögen sie die Einsamkeit schon eine Weile nicht mehr zu vertreiben. 
Deswegen sende ich nun in tiefer Liebe diese Zeilen und hoffe, dass sie euch erreichen und Zazul seinen Weg  unbeschadet finden wird. 
Einiges geschah seit den letzten Worten, welche ich euch zukommen lies. Ich danke euch sehr für die lieben Wünsche und Gedanken, die ihr alle mir zurück senden konntet. 
Wie geht es Tirbarion? Hat er für sich schon herausgefunden, welcher Weg der Seine sein wird? Richtet ihm aus, dass er sich ganz auf sein Herz verlassen soll. Ich konnte seinen Kummer in seinen letzten Zeilen spüren und ich spüre ihn noch immer.

Auch mir ist dieser Kummer nicht unbekannt. Einige Tage spüre ich schon die tiefe Sehnsucht in mir, mich aufzumachen. Auf in die Heimat. Zurück in die liebende Mitte der meinen. 
Denn all die Zeit, die ich die Länder nun durchreise fand ich immer mehr Grauen, Blutvergießen und die Wege beschreiben immer mehr Gefahren, je tiefer ich mich ins innere des Landes begebe. 

Hier wo ich im Moment weile erzählt der Wind vom Tod und selbst die Sonne kann die Dunkelheit dieser Zeiten kaum mehr erhellen. 
Ich spüre, dass Tirbarion das selbe in sich fühlt. Und ich wollte ihn wissen lassen, dass man seinem Schicksal nicht entrinnen kann. Das Herz finden immer seinen Weg und wenn man diesem nicht folgt, dann wird man daran zerbrechen. Dessen bewusst blieb ich hier, auch wenn es mir nicht leicht fiel diese Entscheidung zu treffen.


Vor einiger Zeit schloss ich mich einer Gruppe unterschiedlicher Völker an. Der Einsamkeit zu entrinnen und Hilfe zu geben und zu bekommen, die von Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang nötiger denn je erscheint.
Sonnenwind ist der Name dieser Gemeinschaft.  Nach  Jahren der Distanz zu anderen Völkern schien mir der Tag gekommen Kontakte zu knüpfen. Doch füllen können sie die Leere meines Herzens nicht. Dennoch geben sie mir das Gefühl fern ab der Heimat Wurzeln schlagen zu dürfen.


Eine Menschenfrau, deren Name Aliasa ist, lernte ich auf meiner Reise durch das Breeland kennen. Sie hat ein gutes Herz. Ich bin überrascht gewesen diese Festellung zu machen, wäre ich von einem Menschen ja eigentlich anderes gewohnt gewesen. 
Natürlich strebt sie nach Silber und manches Denken und Verhalten ist für mich nicht nachzuvollziehen. Doch was kann ich erwarten? Sie ist nur ein Mensch.
Dennoch ist sie im Moment de einzige Person in deren Nähe ich mich aufhalten kann ohne einen Fluchtimpuls unterdrücken zu müssen. 

Selbst die Elben, die mir auf meiner Reise hier und da begegnen scheinen langsam vom Schatten bemächtigt zu werden, der sich über die ganzen Lande auszubreiten versucht.


Ich fürchte mich davor, dass auch mich dieses Schicksal ereilen könnte und verbringe deswegen ausreichend Zeit mit mir und meinem Sein- und somit auch mit euch allen, tief in mir verankert. Untrennbar. Mögen die Valar schützend ihre Hand über mich halten und mich bewahren. Mein Sein bewahren. 
Ich fürchte etwas zu werden, wovor ich Angst verspüre. Ich sah so viele des alten Volkes, denen es so zu ergehen scheint. Elben, die sich verloren haben. Die nicht mehr Sind - die begonnen haben etwas zu werden, was sie nie sein sollten. Natürlich traf ich auch andere. Nanaisu hat ihr Sein noch bewahrt und es lässt hoffen, dass dies möglich ist. Muss es das nicht auch, wenn die eigene Aufgabe so fern ab der Heimat liegt?


Es gäbe noch so viel zu schreiben und zu berichten, doch alles was war und alles was sein wird scheint so nichtig gegen das was im Moment ist. Ich spüre in mir, dass mein Schicksal mit Mittelerde noch verwoben ist und das Verlassen der Lande noch nicht meinem Schicksal entspricht.
Aliasa scheint ein kleines Stückchen darin zu sein. Ein Stückchen meines Schicksals - so werde ich sie behüten damit wir unseren gemeinsamen Weg nicht vorzeitig beenden müssen.


Haben einige von uns sich schon in Richtung Westen aufgemacht? Wer blieb zurück? Lasst Zazul mir die Antworten und Neuigkeiten überbringen. 

Nur ein Stück, 
ein Wort, 
etwas Heimat. 


In tiefer Liebe und verwoben mit euren Herzen
Damaria