Geliebte Heimat,
Heute schreibe ich euch Zeilen voller Freude und Zufriedenheit. Einiges ist geschehen seit den letzten Worten, die mein Herz an eure Herzen entsendete. Doch bevor ich beginne möchte ich Euch meinen Dank aussprechen für die wundervollen Zeilen von euch. Sie haben mir Kraft gegeben. Kraft und Gewissheit das Richtige zu tun.
Ein Mann in den Einsamen Landen, dessen Name Radagast lautet vereinnahmte uns sehr. Mit uns beschreibe ich Aliasa und mich. Er entsendete uns in Gegenden, die eines Lebenden nicht geeignet scheinen. Deswegen schleichen die Toten dort umher. Ihr könnt Euch vorstellen, dass mein Zorn über diesen sturen und alten Mann mit jedem Schritt wuchs. Zudem lehnte er sich die meiste seiner wenigen ihm verbleibenen Zeit in seinem Turm zurück.
Wie dem auch sei, diesen Menschen kann man fürwahr als schlechtes Beispiel des menschlichen Sein bezeichnen.
Doch ich lernte einen jungen Elb kennen, der mich sehr an Tirbarion erinnerte. Jung und offen, frei und unerfahren. Welch nette Begegnung in dieser fürchterlichen Umgebung. Diese begegnung trug meine Gedanken zu Dir geliebter Bruder und erfüllte mein Sein mit Wärme und tiefer Liebe zu Dir. Dies möchte ich Dir nun auch senden und ich freue mich sehr, wenn wir uns wieder in die Arme schließen können.
Nach der Zeit in den Einsamen Landen war ich erfreut und glücklich, als sich herausstellte, dass es dort nichts Neues mehr zu erkunden galt. Der Weg, welcher der meine und Aliasas nun sein wird, wird uns in die Nordhöhen führen. So sehe ich Euren verwunderten Gesichtsausdruck beinahe vor mir, dass diese Zeilen euch aus Bruchtal erreichen. Liegt dies doch in der anderen Richtung und nicht auf dem Weg.
Doch mein Herz sehnte sich so sehr nach etwas vertrautem und ich wollte in Erfahrung bringen, ob ich meinen alten und lieben Freund Garodiel wohl dort antreffen würde. Machte er sich doch vor so langer Zeit auf, um die Bibliothek des Fürsten Elrond besuchen. Ich kann mich noch so sehr an seine Vorfreude erinnern als er aufbrach. Leider traf ich ihn nicht mehr in Bruchtal an. Doch ich erfuhr, dass er seinen Weg schon vor einiger Zeit antrat, um gen Westen zu segeln. So dürfte er euch sicher vor meinen Zeilen schon erreicht haben. Ich möchte ihm einige Zeilen schenken, die nur an ihn gerichtet sind, sollte er noch keines der Schiffe genommen haben.
Ach Garondiel, nun hätten wir beinahe noch die Möglichkeit gehabt unser wiedersehen und den großen Abschied miteinander zu teilen. Doch es scheint, als sei dies nicht unser Schicksal und ich hoffe Du bist gut angekommen. Den Weg, den Du zurück nahmst bin ich erst gekommen und ich weiß um die Gefahren, die sich in den Landen ausbreiten. Sicher ist dies kein Vergleich zu Deiner Hinreise nach Bruchtal. Diese Zeiten waren weniger gefährlich.
Ich hoffe Du konntest all das lesen und lernen, wonach Dein Herz gedürstet hat. Habe eine gute Reise in den Westen.
Während ich diese Zeilen schreibe kann ich den Blick über Bruchtal schweifen lassen. Der Mond und die Sterne lassen das Wasser glitzern. Es ist friedlich. So eine innere Ruhe erlebte ich so lange Zeit nicht mehr. Seitdem ich Aufbrach. Eine lange Zeit, wo die Wachsamkeit und die ständige Bereitschaft mein Leben zu verteidigen meine Begleiter wurden. Doch nun scheint es, als hätte ich es wenigstens für meinen Aufenthalt in Bruchtal meine Unbeschwertheit wieder zurück gewonnen. Das war etwas, nachdem ich sehr verlangte und was ich schmerzhaft vermisste.
Ihr seht, dass mein Herz wieder leichter ist.
Wie lange wir hier verweilen werden ist noch unbestimmt, denn Aliasa wirkt mehr wie beeindruckt von der Bibliothek und ich denke, dass ihr die Zeit in den Einsamen Landen ebenfalls sehr zugesetzt hat. So hat auch sie die Möglichkeit sich hier zu erholen. Ihre Augen trugen schon tiefe Ringe, da an Schlaf selbst in den bewachten Mauern der Feste Guruth nicht zu denken war. Der Wind trugt die bedrohlichen Geräusche der Toten in die Feste und die Mauern warfen sie bedrohlich vor und zurück.
Doch nun genießen wir erst einmal die Ruhe und füllen die Herzen mit Frieden bevor wir wieder aufbrechen.
Nun schließe ich diesen Brief und werde etwas tun, was ich schon lange nicht mehr tat. Ich werde mich in die schützenden Arme der Wälder begeben und einfach nur da sitzen. Sitzen und beobachten. Ohne Angst, dass Orks oder schlimmeres mir nach dem Leben trachten werden.
In tiefer Verbundenheit
Damaria