Freitag, 22. April 2011

Tagebucheintrag

Ruhiger ist es in den Hallen des Wissens. Ich habe mir meinen Rückzugsort neben dem großem Ahorn bei der Koppel gesucht. Viele meiner Bücher und Schriften haben Platz in einem Zimmer des großen Hauses gefunden. Ich spüre mich hier verstanden und wohl. Dennoch konnte ich mich nicht dazu durchringen ein Zimmer zu beziehen. Nichts ersetzt den Wind auf den Feldern, das glänzen der Sterne in der Nacht und den Gesang der Vögel am Morgen.

Meine Eltern sind aufgebrochen in den Westen und es macht mein Herz schwer, dass ich sie nicht mehr in die Arme schließen konnte. Ich sehne mich nach dem Wiedersehen. Dennoch bin ich noch hier mit der Geschichte und der Zeit verwoben. Meine Zeit wird noch auf sich warten lassen.

Meine Reise nach Lothlorien brachte mich zu vielen bekannten Gesichtern zurück. Auch wenn meine Eltern einst entschieden, dass ihr Weg sie nach Lindon führen würde spüre ich in Lothlorien meine Wurzeln tief verankert. Doch meine Mutter wird die richtige Entscheidung getroffen haben, die Heimat meines Vaters auch zu ihrer zu machen. 

Diese tiefe Verbundenheit der Seelen überwindet Grenzen. Doch mit wem werde ich verbunden sein, wenn sich meine Heimat ganz und gar aufgemacht hat? Nur mehr zwei Handvoll sind noch übrig. Wie lange werden diese mir erhalten bleiben?

Mittwoch, 20. April 2011

Lindon - Nachmittag

Geliebte Damaria,

Genau zum richtigen Zeitpunkt erreichten uns Deine Worte, so konnten Deine Eltern den Brief noch lesen, ehe sie aufbrachen. Wir würden uns dennoch freuen, wenn es Dir möglich wäre uns zu besuchen. Doch wollten wir Dich wissen lassen, dass Du Deine Eltern hier nicht mehr antreffen wirst.

Das Du Dich entschieden hast die Gemeinschaft im Breeland zu verlassen, können wir gut verstehen. Es muss schwierig sein, ständig von Personen umgeben zu werden, die einen nicht verstehen können.

Hast Du Dich bereits in den Hallen des Wissens eingelebt? 

Deine Worte klangen durch tiefer Trauer durchdrungen. Die Zeiten, die unser Volk erlebt sind keine leichten. Viele sind nicht mehr geblieben von unserer kleinen Gemeinschaft. Die Hälfte ist bereits abgereist. Doch die, die hier noch verweilen spüren deutlich, dass sie noch mit dem Schicksal in diesem Land verwoben sind und werden bleiben.

Tirbarion wird mit seinem Herz, der letzte sein der geht. Deine Zeilen werden hier also immer jemanden erreichen können. Doch es ist ruhiger geworden.

Wir hoffen, dass Du in der neuen Gemeinschaft findest, was Deine Seele und Dein Herz begehrt.
Deine Heimat

Montag, 18. April 2011

Breelandsiedlung - Morgendämmerung

Geliebte Heimat,

Stille - zwischen den ganzen Menschen, Halblingen und Zwergen herrscht Stille hier im Sippenhaus des Sonnenwinds. Viele sind ausgeblieben. Leer wirkt das Haus. Die, deren ich vertraute, sind gegangen. Die die blieben sind kaum mehr als eine Handvoll. Doch mit diesen verbindet mich kaum etwas. Sie sind austauschbare Gesichter. 

Menschen kommen und sie gehen. In kurzen Abständen betreten sie das Leben, um es schon wieder zu verlassen. Dessen bin ich überdrüssig. Ihr schriebt einmal, dass ich mein Herz nicht an das Vergängliche hängen soll. Ihr habt wahre Worte gesprochen. Das ist es nicht wert. Sie gehen sogar noch schneller, als sie sterben können. Diese Gemeinschaft hat mich geprägt. Sie hat mich über andere Völker ins Bild gesetzt. Doch was ich mitnehme ist das Gefühl, dass es sich kaum lohnen wird meine Zeit und mein Herz an das Vergängliche zu hängen. 

Meine Sachen sind gepackt. Ich werde diese Gemeinschaft verlassen, die mir nunmehr keine Wurzeln mehr geben kann. In Lorien traf ich einen Elb mit seiner Tochter. Diese ist aus einer Vermischung mit einer Menschenfrau entstanden.
Unvorstellbar für mich - aber dazu komme ich später. Dieser Elb ist Teil der Istchebyn. Ich lernte diese Gemeinschaft schon kennen, weil sie mit Sonnenwind einen regen Austausch pflegen. Ich habe mich zu dieser Gemeinschaft aufgemacht. Ich spüre, dass mein Weg mich nun dorthin führt. Ich kann es nicht genauer beschreiben. Doch dort werde ich nun ein Teil der Gemeinschaft werden. Einige Elben wohnen dieser Gemeinschaft bei. Unvergänglich und Ewig. 

Was Rhidon , den Elb, betrifft muss ich sagen, dass ich in seinem Ausdruck und in seinen Gebärden etwas lesen konnte, was mir für einen Elb fremd schien. Die Unsicherheit mit seiner Vergangenheit offen umzugehen. Die unterdrückten Emotionen, die tief in ihm schlafen. Etwas zieht mich zu ihm. Das obwohl er sich dazu herabgelassen hat sich mit einem Menschen einzulassen. 

Gerade jetzt, wo ich hier mit den Tieren im Garten sitze, merke ich, dass Sonnenwind mir im Laufe der kurzen Zeit ans Herz wuchs. Menschen zerstören sich diese Dinge, ohne weiter darüber nachzudenken. Sie nehmen die Welt anders wahr. Die Welt liegt in ihren Händen. Das erschreckt mich sehr.

Das unsere Zeit am vergehen ist, ist mir in Lothlorien mehr wie bewusst geworden. So wie es meine Erinnerung schenkte, ist es dort nicht mehr. Noch sind die Grenzen gut bewacht. Doch die Orks sind allgegenwärtig. Organisiert. Wie lang werden sie dem noch stand halten wollen, ehe sie ihre Heimat verlassen und sich gen Westen aufmachen? Wie leer wird dieser Landstrich sein und diese Leere, die von den Elben zurückgelassen wird, wird ausgefüllt von den Menschen. Mit ihrer Vergänglichkeit, ihrem Neid, ihrem Streit.

Mir macht es das Herz schwer, dass ihr eure Zeit ebenfalls kommen spürt, geliebte Eltern. Ich werde alsbald nach Hause kommen um euch noch einmal in die Arme zu schliessen, ehe wir uns dann wieder sehen. 

Im Moment zerbricht zu viel in meinem Leben. Wird es jemals wieder Konstante geben, solange ich noch hier verweile? Mein Weg hier ist noch lange nicht zu Ende beschritten und ich werde noch einige Zeit hier verbringen. Werde ich dies allein tun müssen? Wie viele aus der Heimat sind noch übrig? Und wird auch Tirbarion gehen, wenn es nichts mehr zu bewachen gilt? 

Ich werde mich nun auf dem Weg nach Istchebyn machen. Doch die Fragen werden mich begleiten. 

Auf ein baldiges Wiedersehen
Damaria

Dienstag, 12. April 2011

Lindon - Mittag

Geliebte Damaria,

Wir hatten niemals Zweifel, dass Du den richtigen Weg findest. Und übe Nachsicht mit den Völkern, die Dich umgeben. Denke daran, dass sie es oftmals nicht besser wissen. Sie handeln, wie sie eben handeln. Sie sind, wie sie eben sind. 
Niemand wird den Menschen ihre Machtgier nehmen und niemand wird den Zwergen ihre Goldgier zu nehmen wissen. So wie niemand den Halblingen die Verbundenheit zu ihrer Heimat zu nehmen vermag. Oder den Elben den Einklang mit sich selbst.
Vergiss dies nie, denn es wird Dir viel Frust ersparen, geliebte Damaria. 

Es gibt immer Momente des Redens. So wie es Augenblicke des Schweigens gibt. Wäge stets gut ab, welche Zeit gerade die Deine ist. 

Tirbarion brach vor einiger Zeit abermals auf. Seine Reise wollte ihn nach Bruchtal führen doch bisher hörten wir noch nichts von ihm. Es war sein tiefer Wunsch, diesen Ort aufzusuchen, bevor die Zeit der Elben dort beendet ist. Doch wir glauben, dass die Hoffnung, Dich dort anzutreffen, ihn ebenso veranlasste diese Reise auf sich zu nehmen. 

Deine Mutter spürt, dass unsere Zeit hier sich ebenfalls dem Ende entgegen neigt. Der Westen ruft uns. Noch ist der Zeitpunkt nicht da, doch er rückt näher. So senden wir Dir ebenfalls eine Umarmung und hoffen Dich noch zu lesen, bevor wir aufbrechen. 

In Liebe
Dein Vater

Hulstentor Nacht

Geliebte Heimat,

Wie viele Tage, Nächte und Wochen sind verstrichen, seitdem ich meine letzten Zeilen zu euch entsandte? Kälte, Dunkelheit, Lärm, Orks und fürchterliches Getier haben mich durch die Minen begleitet. Zazul flatterte aufgeregt umher, als ich Moria den Rücken kehrte und er mich entdeckte. Und es dauerte nur wenige Augenblicke, bis sich auch Jariel wieder an meine Seite gesellte. Noch sind meine Aufzeichnungen für Moria nicht annähernd abgeschlossen. Nur ein kleiner Bruchteil dieser gigantischen Minen fand bisher den Weg in meine Schriften. Dennoch musste ich hinaus. Die Sonne auf der Haut spüren. Den Mond und die Sterne betrachten. Stille erleben. 

Ich konnte das Volk der Zwerge näher kennen lernen und das Bild, welches sich in mir formte ist vielfältig. 

Bevor ich meine Reise in den Minen fortsetze werde ich jedoch nach Bree zurückkehren, denn dort gibt es einiges was besprochen werden sollte. So befindet sich seit kurzem ein Zwerg in den Reihen Sonnenwinds, welcher sich als ausgesprochen aufdringlich zeigt. Und auch ein Halbling wagte es einen mir treuen Begleiter für Silber zu veräußern. Dies gab den Ausschlag eine Pause einzulegen. Denn dies gehört geklärt. Mir ist durchaus bewusst, dass es Gang und Gebe sein mag, Tiere zu veräußern. Doch solange diese mein Vertrauen und meine Freundschaft genießen, werde ich es nicht ohne ein Wort stehen lassen.

Viele Dinge musste ich seit unserem letzten Austausch erfahren und ich kehre immer tiefer in mich selbst zurück. Bleibe für mich. Bei mir. Vertrauen wird missbraucht. Loyalität scheint kaum mehr etwas wert. Verständnis sucht man oft vergebens. Das Zeitalter der Menschen sei angebrochen, so sagt man. Doch wohin wird sie diese Zeit führen, wenn sie es nicht schaffen in eine Richtung zu sehen? Die Hoffnung, dass es gelingen mag ist klein. Und nun verstehe ich die Worte von Dir geliebter Vater, die Du sprachst bevor ich aufbrach. Ich konnte es damals nur noch nicht erkennen. Nun kann ich sie ebenso wiedergeben.

Auch wenn diese Zeilen anderes anmuten würden, möchte ich euch allen mitteilen, dass es mir gut geht. Ich bin wohlbehalten und auch wenn ich meine Waffe öfter einsetzen muss, je weiter ich reise trug ich keine schweren Verletzungen davon. Weder an meiner Seele noch an meinem Körper. 

So sende ich euch allen, und besonders Dir Tirbarion, eine Umarmung in die Heimat. Ich freue mich bald Zeilen von euch in den Händen zu halten.

Damaria